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Warum Pflegekräfte kein Lob brauchen, aber Anerkennung und Wertschätzung.

Aktualisiert: Apr 2

Von Aneta Andrukiewicz


Auf den ersten Blick ähneln sich Lob, Anerkennung und Wertschätzung. Doch alle drei Formen unterscheiden sich deutlich voneinander, verfolgen andere Ziele und bringen unterschiedliche Effekte mit sich. Unter Lob versteht man die Anerkennung von Leistungen oder Verhaltensweisen durch sprachliche oder körpersprachliche Ausdrucksmittel. Dabei ist Lob immer konkret und wird für erbrachte Leistungen ausgesprochen. Es enthält immer eine Beurteilung, ist häufig manipulativ und wird oft als Motivation eingesetzt. Anerkennung hingegen ist eine grundsätzliche und allgemeine Haltung, sie muss also nicht konkret sein. Regelmäßige Qualität, Leistung und Mühen einer Person werden anerkannt, respektiert und geschätzt. Anerkennung bezieht sich also eher auf das Gesamtbild. Wertschätzung bedeutet eine bedingungslose, positive und wohlwollende Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Psychologin Eva Wlodarek bezeichnet Wertschätzung als ein menschliches Grundbedürfnis. Im Kampf gegen das Coronavirus stehen Ärzte und Pflegekräfte ohne Zweifel an vorderster Front. Sie werden mit einer völlig neuen Situation konfrontiert, müssen flexibel sein und sich auf schwerkranke Patienten vorbereiten. Sie müssen Überstunden leisten und werden sowohl psychisch als auch physisch stark belastet. Viele Menschen in Deutschland danken den Helfern in der Coronakrise mit Applaus. „Immer wieder tun sich ganze Nachbarschaften in der Corona-Krise zu Solidaritätsaktionen zusammen, die den Pflegekräften im Einsatz ihren Dank übermitteln sollen. Doch einige Pfleger halten das für die falsche Priorität“, lesen wir bei Focus online vom 21.03.2020. Pflegerinnen und Pfleger verdienen ohne Zweifel unsere Wertschätzung und Anerkennung, denn sie haben einen verantwortungsvollen Job und ihr tägliches Engagement trägt alltäglich dazu bei, Deutschlands Gesundheitssystem zu einem der besten der Welt zu machen. Dies gilt aber nicht erst seit der Corona-Krise und deshalb ist der Dank in Form eines Applauses zwar eine nette Geste, aber langfristig überflüssig, falls die Solidaritätswelle nach der Krise höchstwahrscheinlich nicht anhält. Laut einer Umfrage vom April 2019 fühlen sich 79 Prozent der Pflegefachkräfte öffentlich nicht anerkannt und wertgeschätzt. (Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherung PKV). Darüber hinaus herrscht im Pflegebereich eine große Mitarbeiterzufriedenheit. Überlastung, geringe Bezahlung, Dauerstress sowie personelle Engpässe spiegeln den Pflegealltag wider. Aus diesem Grund ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege unabdingbar. Anerkennung von Vorgesetzten, angemessene Bezahlung, flexible Arbeitszeitmodelle, Entwicklungsmöglichkeiten, faire Aufstiegschancen sowie Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Aber auch die gesellschaftliche Wertschätzung für diesen anspruchsvollen Beruf und die Menschen, die ihn ausüben, spielt eine große Rolle und deshalb ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit mit Pflegefachkräften auch nach der Corona-Krise solidarisch bleibt und hilfreiche Veränderungen in der Pflege fordert und unterstützt.



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